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Werkverbindung

Rechtliche Absicherung im Vorfeld der Werkverbindung

Bei der Werkverbindung werden verschiedene Werke zu ihrer gemeinsamen Verwertung miteinander verbunden. Typische Werkverbindungen sind beispielsweise die Verbindung von Musik und Text bei Liedern, Opern, Operetten, Musicals oder die Verbindung von Zeichnungen wissenschaftlicher Art mit korrespondierenden Texten, die Verbindung mehrerer Beiträge zu einem Gesamtwerk, wenn es an einer gesamtschöpferischen Bearbeitung fehlt.

Eine Werkverbindung findet dann statt, wenn beide Urheber ihre Werke zwecks gemeinsamer Verwertung verbinden, sei es ausdrücklich oder stillschweigend. In diesen Fällen behält jeder Urheber an seinem Werk - ungeachtet der vorgenommen Verbindung-  sein Urheberrecht. Eine Trennung der Werke und deren gesonderte Verwertung ist faktisch möglich, z. B. bei einem Song die getrennte Verwertung der Musik.

In juristischer Hinsicht wird die vereinbarte Werkverbindung als konkludent abgeschlossener Gesellschaftsvertrag angesehen, durch die sich eine Verwertungsgemeinschaft bildet. Die Urheber haben hiernach einen wechselseitigen Anspruch auf Einwilligung zur Veröffentlichung, Verwertung und Änderung der Einzelwerke in der verbundenen Form. Der Anspruch auf Erteilung einer solchen Einwilligung besteht soweit, wie die Einwilligung dem anderen Urheber nach Treu und Glauben zugemutet werden kann.

Hierbei ist im Streitfall eine Interessenabwägung vorzunehmen, wobei sämtliche Verwertungsmaßnahmen, die für die fragliche Werkverbindung üblich sind, grundsätzlich auch als zumutbar angesehen werden. Unzumutbar sind lediglich Verwertungsmaßnahmen, die erhebliche Interessen eines der beteiligten Urheber verletzen, beispielsweise bei der Verletzung moralischer Interessen oder angesichts besonderer persönlicher Zerwürfnisse der Beteiligten, wenn diese entsprechende Auswirkungen auf wirtschaftliche Aspekte sowie die zukünftige Bindung zu Dritten haben.

Allerdings können sich aus der konkludenten oder ausdrücklich begründeten Gesellschaftsbeziehung besondere gesellschaftsrechtliche Treuepflichten ergeben. Diese spielen insbesondere dann eine Rolle, wenn einer der Urheber sein Werk anderweitig (außerhalb der gemeinsamen Verbindung) verwerten möchte. Aus dem Urhebergesetz folgt, dass eine derartige Verwertung zulässig ist, auch wenn diese die Verwertbarkeit der ursprünglichen Werkverbindung empfindlich beeinträchtigen könnte. Allerdings kann sich aus der gesellschaftsrechtlichen Treupflicht ergeben, dass eine solche anderweitige Verwertung unterbleibt.

Wird vor der Vereinbarung der Werkverbindung ein schriftlicher Vertrag zwischen den Urhebern abgeschlossen, können solche Fragestellungen einvernehmlich und verbindlich geklärt werden, so dass eine sämtliche urheber sichere Grundlage für die Verbindung und Verwertung der Werke besteht.

 

Verfasserin: Rechtsanwältin Tanja Risse, Kunz Rechtsanwälte

 

 

 


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